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Die
deutsche
Nationalliteratur kennt drei große Versepen:
„Reinecke
Fuchs“ und „Hermann und
Dorothea“ des Weimarer Dichterfürsten sowie die
satirisch
daherkommende Elegie
„Deutschland. Ein Wintermärchen“ von
Heinrich Heine.
„Reinecke Fuchs“ ist seit
den lang vergangenen Zeiten, da der großartige Wolfgang Heinz
sich dieses
Textes angenommen hatte, leider in Vergessenheit geraten,
„Hermann und
Dorothea“ haben nie Vergleichbares erlebt, einzig das
„Wintermärchen“ erfreute
sich über die Jahre hinweg durch die hervorragende
Interpretation
Eberhard
Esches
am
Deutschen Theater in Berlin
gleichbleibender Beliebtheit.
Aus
dem
Erlebnis
eines solchen Heine-Esche-Abends (und dem Hörerlebnis Heinz
Westphal/Attila
Zoller natürlich, seit damals sind von Konstantin Wecker, Gerd
Wameling,
Patrick Imhoff und anderen weitere Interpretationen hinzugekommen)
entstand
schon vor langen Jahren die Idee, diesen Text im Zusammenspiel mit
Improvisationsmusikern zu interpretieren.
Dabei
geht es
weniger um ein „Nummerprogramm“, in dem Text und
Musik
– wie oftmals bei den
„altehrwürdigen“ Lyrik-Jazz-Programmen
erlebt –
nebeneinander existieren,
sondern um die Verflechtung beider, soll die Musik den Text
hinterfragen,
kommentieren, kontern usw., und dadurch wiederum dem Text die
Möglichkeit
eröffnen, seinerseits der Musik entgegenzutreten, ihre Fragen
zu
beantworten –
oder auch nicht – in der Musik zu schweben ... Und umgekehrt.
Die
Musik liefert
also eine zweite Dimension, die dem Text nicht nur ein Fahrwasser
für seine
Richtungen gibt, sondern auch seine emotionalen Wirkungen zu steigern
vermag.
Sprache und Musik wirken auf wunderbar gleichberechtigte Weise zusammen.
Es
geht
um nicht
mehr und nicht weniger als eine zeitgenössische Interpretation
der
zeitlosen
literarischen Vorlage mit den Mitteln unterschiedlicher, wenngleich
verwandter,
Künste. Ihr Zusammenspiel erlaubt, flexibel und sensibel mit
Text
und Musik und
– nicht zuletzt – miteinander umzugehen, das
„Wintermärchen“ in seinem
historischen Kontext zu belassen und gleichzeitig in seiner
Aktualität zu
sehen.
Thomas
Brückner
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